Was für ein verdammter Auftakt!
Der Mittwoch beim ROCKHARZ 2026 hatte eigentlich alles, was ein gutes Festival braucht. Sonne, Staub, kaltes Bier und ein Line-up, das vom Dino-Metal bis zu einer der größten Gitarrenlegenden unserer Zeit reichte. Genau diese Mischung macht das Rockharz seit Jahren so besonders. Hier steht nicht nur eine Stilrichtung auf dem Plan – hier feiert einfach jeder den Metal.
Los ging’s mit Heavysaurus. Zugegeben, Dinosaurier auf einer Festivalbühne wirken im ersten Moment etwas skurril. Aber genau das ist der Punkt. Während vor der Bühne Kinder mit ihren Eltern die Hörner in die Luft reckten, hatten auch die älteren Semester sichtlich ihren Spaß. Das Ganze war herrlich locker, musikalisch absolut solide und der perfekte Einstieg, bevor der Tag langsam ernst wurde.
Den Schalter legten anschließend Soulbound um. Die Jungs haben sich in den letzten Jahren ihren Platz auf den großen Festivalbühnen mehr als verdient. Modern Metal mit ordentlich Druck, einer fetten Portion Emotion und genug Energie, um auch die letzten Nachzügler Richtung Bühne zu ziehen. Spätestens jetzt war klar: Das Festival läuft.
Die Stimmung kippte danach komplett. Harakiri for the Sky hüllten das Infield in ihre ganz eigene Welt aus Melancholie, Atmosphäre und diesem unverwechselbaren Mix aus Post Black Metal und emotionaler Schwere. Keine Band für den schnellen Abriss – sondern zum Eintauchen. Man musste sich einfach darauf einlassen, und genau das machte den Auftritt so stark.
Lange Zeit zum Durchatmen blieb allerdings nicht, denn The Haunted kamen auf die Bühne und machten genau das, was The Haunted seit Jahrzehnten machen: keine Gefangenen. Die schwedische Thrash-Maschine drosch kompromisslos alles nieder, was ihr in den Weg kam. Harte Riffs, brutale Energie und die ersten richtig dicken Moshpits des Tages – genau so muss das sein.
Nach dieser Vollbremsung auf die Zwölf übernahmen Ensiferum das Kommando. Und wenn eine Band weiß, wie man ein Festivalpublikum zum Ausrasten bringt, dann die Finnen. Folk, Melodic Death und Viking-Epik verschmelzen bei ihnen zu einer Mischung, die live einfach funktioniert. Bierbecher flogen, Fäuste gingen nach oben und das komplette Infield grölte jede zweite Zeile mit. Festivalfeeling pur.
Mit Paradise Lost wurde es anschließend deutlich dunkler. Seit über 35 Jahren gehören die Briten zu den prägenden Bands des Gothic Metal und beweisen bis heute, dass Melancholie verdammt schwer klingen kann. Keine große Show, kein unnötiger Firlefanz – einfach starke Songs, eine dichte Atmosphäre und eine Band, die genau weiß, was sie kann.
Und dann… war es endlich soweit.
Black Label Society.
Das ROCKHARZ brauchte für mich eigentlich keinen zusätzlichen Grund. Aber mal ehrlich: Wenn dann auch noch Black Label Society auf dem Spielplan stehen und Zakk Wylde seine Gittare auspackt, steigt die Vorfreude automatisch ein paar Stufen nach oben..
Es gibt Gitarristen. Es gibt Legenden. Und dann gibt es Zakk Wylde.
Seit Jahrzehnten liefert(e) der Mann mit Ozzy Osbourne / Pantera / Zakk Sabbath und seiner Black Label Society Gitarrenarbeit auf absolutem Weltklasse-Niveau. Seine Pinch Harmonics erkennt man nach einer Sekunde, seine Soli ziehen sich gerne mal bis zum Horizont und trotzdem wird es nie langweilig. Genau deshalb war dieser Auftritt für mich der eigentliche Headliner des gesamten Tages.
Black Label Society lieferten genau das, was man erwartet – schwere Riffs, fetten Southern Groove und eine Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht. Zakk stand da, als würde ihn das alles keinen Meter interessieren, und zerlegte trotzdem mit einer unglaublichen Leichtigkeit ein Solo nach dem anderen. Genau für solche Momente fährt man hunderte Kilometer auf ein Festival.
Den offiziellen Schlusspunkt setzten anschließend Helloween. Und was soll man sagen? Wenn Michael Kiske und Kai Hansen gemeinsam auf einer Bühne stehen, ist Gänsehaut praktisch vorprogrammiert. Die Hamburger lieferten eine Power-Metal-Show, wie sie im Lehrbuch steht. Hymne nach Hymne, ein Publikum, das nahezu jede Zeile mitsang, und eine Spielfreude, die man der Band auch nach über vier Jahrzehnten noch anmerkt.
Besser kann ein Festival eigentlich kaum starten.
Wenn der Mittwoch schon derart abliefert, dann darf man auf die nächsten Tage mehr als gespannt sein. Das ROCKHARZ hat direkt am ersten Tag gezeigt, warum es für viele nicht einfach nur irgendein Festival ist – sondern jedes Jahr aufs Neue ein verdammt gutes Zuhause für Metalheads.
HELLOWEEN
BLACK LABEL SOCIETY
STEVE ‚N‘ SEAGULLS
PARADISE LOST
ENSIFERUM
THE HAUNTED
HARAKIRI FOR THE SKY
SOULBOUND
HEAVYSAURUS
Bilder & Text: Sven Ceder















































































































































































































































































































































































































































































































